«Alle sind krank!»: Flüchtlingshelferin Vanja Crnojevic sieht Menschen in Idomeni in Gefahr
Die mazedonische Regierung soll die vollständige Schliessung der Grenze planen. Die Limmattaler Zeitung hat die Schlieremer Flüchtlingshelferin Vanja Crnojevic telefonisch vor Ort erreicht.
von Flurina Dünki — az Limmattaler Zeitung – Zuletzt aktualisiert am 8.3.2016 um 10:09 Uhr
Die Gründerin der Hilfsorganisation «Borderfree Association» ist vor einer Woche vom serbischen Presevo, wo sie Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt, nach Idomeni gereist, nachdem die Situation zwischen den Flüchtenden und dem mazedonischem Grenzpersonal eskalierte.
Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, schätzen Hilfsorganisationen die Anzahl der Flüchtlinge, die im griechischen Grenzdorf auf Durchlass warten, auf 13 000. «Das Flüchtlingscamp bei Idomeni wurde für lediglich 1500 Menschen konzipiert, das Ganze ist längst aus dem Ruder gelaufen», erzählt Crnojevic.
Stündlich kommen mehrere hundert Flüchtende im 300-Seelen-Ort an. Wegen der verschärften Zollvorschriften dürfen täglich nur jeweils 500 die Grenze passieren. Beobachter vor Ort sprechen gar von lediglich 100 Personen pro Tag.
Vereinte Helfer
Der Schlieremerin war sofort klar: Sie musste mehr Helfer herbitten. «Wir haben mehr von unseren Leuten aus Presevo, aber auch andere Hilfsorganisationen wie die NGO Solidarite hergerufen, weil die humanitäre Situation täglich prekärer wurde», erzählt Crnojevic. Zusammen konnten sie nun ein erstes Zelt zur Essensausgabe aufbauen.
«Wir haben mehrere Essensausgabestellen errichtet und gehen mit Lebensmitteln zu den Leuten. Bei den vielen hungrigen Mäulern würde eine einzige Ausgabestelle überrannt werden», so Crnojevic. Mit Familien würde jeweils ein Ort vereinbart, an dem nur für sie Nahrung ausgegeben werde. Die Gefahr für die Kinder, in der Hektik verletzt zu werden, sei sonst zu gross.
Bei einer längeren Schliessung der Grenze sieht Crnojevic die Gesundheit der Menschen in ernster Gefahr: «In der Nacht wird es sehr kalt und nass. Die Kleider der Leute sind häufig durchnässt. Alle sind am husten, alle sind krank.»
Chaos und blaue Flecken
Der Einsatz im Krisengebiet ist nicht ungefährlich: «Ich wurde im Gedränge gegen die Autotür geschubst und habe mir das Bein verletzt, aber das bringt die Situation halt mit sich. Es ist das reinste Chaos hier.»
Borderfree Association
Spenden an „Borderfree Association“ mit dem Stichwort „Idomeni“ können Sie unter foldenden Konti entrichten:
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Weitere Informationen finden Sie auf der Facebook-Seite der Organisation:
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